Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 60 (Juni 2003)

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

von Norman/YPR

Ich habe für die Bibelseite einen Text ausgewählt, den ich mag, weil er etwas darüber sagt, wie Jesus sich uns gegenüber verhält, weil es eine interessante Geschichte ist und weil es um Freundschaft geht. Der Text steht bei Markus im 2. Kapitel, die Verse 1 bis 12:

1 Nach einigen Tagen kehrte Jesus nach Kapernaum zurück. Es sprach sich schnell herum, daß er wieder zu Hause war. 2 Viele Menschen strömten zusammen, so daß nicht einmal mehr vor der Tür noch Platz war. Ihnen allen verkündete Jesus die Heilsbotschaft. 3 Da kamen vier Männer, die einen Gelähmten trugen. 4 Weil sie wegen der vielen Menschen nicht bis zu Jesus kommen konnten, deckten sie über ihm das Dach ab. Durch diese Öffnung ließen sie den Gelähmten auf seiner Trage hinunter. 5 Als Jesus sah, wie fest sie darauf vertrauten, daß er ihrem Freund helfen würde, sagte er zu dem Gelähmten: «Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!» 6 Aber einige der anwesenden Schriftgelehrten dachten: 7 «Das ist Gotteslästerung! Was bildet der sich ein! Nur Gott allein kann Sünden vergeben.» 8 Jesus durchschaute sie und fragte: «Wie könnt ihr nur so etwas denken! 9 Ist es leichter zu sagen: 'Dir sind deine Sünden vergeben' oder diesen Gelähmten zu heilen? 10 Ich will euch beweisen, daß der Menschensohn die Macht hat, schon jetzt Sünden zu vergeben.» Und er forderte den Gelähmten auf: 11 «Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause! Du bist gesund!» 12 Der Mann stand auf, nahm seine Trage und ging hinaus. Fassungslos sahen ihm die Menschen nach und riefen begeistert: «Noch nie haben wir so etwas erlebt!» Und alle lobten Gott.

Markus 2, 1-12
Übersetzung: Hoffnung für alle

Naja, eine von den vielen Geschichten in der Bibel, wo Jesus Kranke heilt, wie langweilig, könnte man sagen, doch wenn man etwas genauer hinsieht, stecken da doch viele interessante Aspekte drin. Außerdem behaupte ich, dass das Wesentliche an diesem Text gar nicht in der Wunderheilung besteht. Doch der Reihe nach.

Da wird ein Loch in ein Dach gegraben. Wie soll denn das gehen? In Galiläa hatten damals die meisten Häuser Flachdächer, die mit Lehm und Stroh gedeckt waren, da konnte man "graben". Außerdem bemerkenswert: Der Lahme wird von vier Leuten getragen. Ich vermute, das waren seine Freunde. Warum sollten Fremde diese Mühe auf sich nehmen und ihn zu Jesus tragen? Und dann noch rauf aufs Dach und Loch buddeln. Nein, so eine Ausdauer legen nur wahre Freunde an den Tag. Die setzen sich für einen ein, die tragen einen, die nehmen Mühen auf sich, um einem Freund zu helfen, sie geben nicht auf, als sie erst nicht zu Jesus vordringen können, weil alles voller Menschen ist. Das ist das Wesen von Freundschaft. Mit echten Freunden kann man nicht nur lachen, sondern auch ernst sein oder sogar weinen. Bei echten Freunden braucht man sich nicht verstellen, braucht man nicht immer cool sein. Wenn man das berücksichtigt, wieviele echte Freunde bleiben mir dann?

Und dann dieser Jesus: Jesus heilt den ja gar nicht gleich, er sagt erst: "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben." Dann kommen gleich die Schriftgelehrten (religiöse Führer der Juden), die nicht gerade Fans von Jesus waren und sagen: Was soll das? Das ist Gotteslästerung, nur Gott kann Sünden vergeben.

Jesus stellt in Vers 9 eine Frage an sie: "Was ist leichter: Heilen oder Sünden vergeben?" Dann erst heilt er den Gelähmten (auch Gichtbrüchiger genannt) und hat damit die Frage beantwortet: Das Wichtige zuerst.

Heilen, Wunder tun oder ein großes Spektakel abziehen, das können einige (z.B. Ärzte, David Copperfield oder Siegfried und Roy), aber sie können nicht die Seele gesund machen, das kann nur Jesus. Die Geschichte macht deutlich, was Jesus für uns tun will: uns an Körper UND Seele gesund machen. Ihm geht es nicht um die Show. Bei Jesus werden wir nicht "dismissed".

 
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Rubrik Glauben