Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 46 (Mai 2000)

Alle Jahre wieder...

von Martin/YPR

Woody Allen, amerikanischer Filmemacher und Meister der geistreich-ironischen Selbstkritik, erzählt folgende Geschichte:

„Ich gehe zur Synagoge und frage den Rabbi nach dem Sinn des Lebens. Er erklärt ihn mir. Aber er erklärt ihn mir auf Hebräisch. Ich kann kein Hebräisch. Darauf verlangt er 600 Dollar für Hebräischunterricht.“

Für viele Menschen ist Ostern und was es bedeutet ein Fremdwort; nicht unbedingt ein hebräisches, aber allemal ein religiöses. Und würden sie nun nach der Übersetzung des Wortes fragen, will sagen nach dem Sinn eines religiösen Festes, z.B. Ostern, dann könnte es ihnen durchaus so ergehen wie es Woody Allen bei seinem Rabbi erlebte. Was da geredet wird, bleibt häufig völlig unverständlich.

Ich denke, um Ostern zu verstehen, bedarf es keines Hebräischunterrichts. Selbst, wer Ostern nur auf Frühling, Ei und Osterhase reduziert, hat immerhin schon Bilder aufgezählt, die stehen für Neubeginn, Leben und Fruchtbarkeit. Und wer den Frühling riechen kann und hören und sieht beim Osterspaziergang, wie sich durch die Erde, die gestern noch schwarz und kalt und undurchdringlich schien, heute schon die ersten Blumen und Pflanzen durchgekämpft haben, der ist der Vorstellung vom Sieg des Lebens über den Tod schon ziemlich nahe. Und wer sich dann noch fragt, welches Gefühl dem Frühling am meisten verwandt ist und in allen Gedichten und Liedern besungen wird und also Ostern und die Liebe in Verbindung bringt, der kann sich die 600 Dollar sparen, das heißt, die sollte er sich auf alle Fälle sparen, denn solange Religion eine zu erlernende Fremdsprache ist, ist sie fürs Leben so überflüssig wie Russisch fürs Autofahren oder Chinesisch fürs Schwimmen.

Ein neunjähriger Enkel eines berühmten Schriftstellers soll eines Tages mit ihm über den Friedhof gegangen sein. Dort las die Inschriften über den Gräbern: „Unserem geliebten Vater“, „Meiner über alles geliebten Frau“, usw. und stellte dann die bemerkenswerte Frage: „Und wo kommen die hin, die nicht geliebt werden?“

Das wäre vielleicht wirklich eine Frage für den Rabbi. Der würde nämlich daraufhin aus der Bibel zitieren, in der es heißt: selbst wenn es einmal wirklich passierte, daß eine Mutter ihr Kind verläßt, ich werde dich nie verlassen, spricht der Herr. Aber auch dafür muß man nicht hebräisch lernen und die Antwort gibt es umsonst. Denn Gott offenbart sich uns so, daß wir ihn und seine Liebe verstehen können. Darum feiern wir jedes Jahr Ostern

Big Father
 

 
Mehr aus Nr. 46
Rubrik Glauben