Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 38 (Dezember 1998)

Gibt es wirklich einen Weihnachtsmann?

von Carsten/YPR

Seit Generationen rätseln die Menschen, ob es tatsächlich einen Weihnachtsmann gibt oder nicht. Jetzt endlich kann diese Frage (mit Beweisführung) beantwortet werden:

Es gibt 2 Milliarden Kinder (Menschen unter 18) auf der Welt. Und da der Weihnachtsmann (scheinbar) keine Moslems, Hindu, Juden, Buddhisten oder Atheisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa 15% der Gesamtzahl, also 378 Millionen Kinder. Wenn wir annehmen, daß in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt, ergibt das bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt 91,8 Millionen Kinder.

Der Weihnachtsmann hat einen 31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen, wenn er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergeben sich 822,6 Besuche pro Sekunde. Somit hat der Weihnachtsmann für jeden christlichen Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit für seine Arbeit, Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, die Socken füllen, die übriggebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern und zum nächsten Haus fliegen. Angenommen, daß jeder dieser 91,8 Millionen Stopps gleichmäßig auf die ganze Erde verteilt sind (was natürlich , wie wir wissen, nicht stimmt, aber als Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 120,8 Millinen km, nicht mitgerechnet die Unterbrechungen für das, was jeder von und mindestens einmal in 31 Stunden tun muß, plus Rentierfütterung usw.. Das bedeutet, daß der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde fliegt, also der 3000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste von Menschenhand gebaute Objekt der Welt, die Ulysses Raumsonde, fliegt mit lächerlichen 43,8 km pro Sekunde. Ein gewöhliches Rentier schafft höchstens 24 kn pro Stunde.

Die Ladung des Schlittens führt zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen jedes Kind bekommt nicht mehr als ein mittelgroßes Lego-Set (etwa 1 kg), dann hat der Schlitten ein Gewicht von 378000 Tonnen geladen, nicht gerechnet der Weihnachtsmann, der übereinstimmend als übergewichtig beschrieben wird. Ein gewöhliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der Annahme, daß ein "fliegendes Rentier" das Zehnfache des normalen Gewichts ziehen kann, braucht man für den Schlitten nicht acht oder vielleicht neun Rentiere. Man braucht 216000 Rentiere. Das erhöht das Gewicht -den Schlitten selbst noch nicht einmal mit eingerechnet- auf 410411 Tonnen. Nochmals zum Vergleich: das ist mehr als das vierfache des Ozeandampfers "Queen Elizabeth".

410400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwiderstand- dadurch werden die Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muß dadurch 16,6 Trillionen Joule Energie absorbieren. Pro Sekunde. Praktisch gesehen werden sie sofort in Flammen aufgehen. Das nächste Paar Rentiere wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohrenbetäubender Knall erzeugt. Das gesamte Rentier-Team wäre schon nach 4,26 Tausendstel einer Sekunde verdampft.

Der Weihnachtsmann wird währenddessen einer Beschleunigung von der Größe der 17500-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt . Ein 120 kg schwerer Weihnachtsmann (was der Beschreibung nach lächerlich wenig sein muß) würde dann mit einer Kraft von 20,6 Millionen Newton, an das Ende seines Schlittens gepreßt werden.

Dies erlaubt den Schluß: Wenn der Weihnachtsmann irgendwann einmal Geschenke gebracht hat, so ist er heute tot.

Carsten Raabe

(SPY magazine, Jan. 1990)

Schlitten

Peng! Ich kann sie wie eine Seifenblase zerplatzen hören - Eure Träume vom Weihnachtsmann. Da habt Ihr's nun schwarz auf weiß: Die Geschichte vom Weihnachtsmann ist nichts weiter als eine hübsches Märchen für kleine Kinder. Er bringt keine Geschenke, fliegt auf keinem Schlitten durch die heilige Nacht und heuert ebensowenig jährlich einen Haufen Rentiere an. Und folglich kann er auch nicht derjenige sein, der das ganze restliche Jahr viele Notizen über Euer Verhalten macht, um letztlich zu beurteilen, was Ihr zu Weihnachten verdient: die Rute oder Süßes. Alles rein wissenschaftlich gesehen natürlich.

Genaugenommen ist Weihnachten wissenschaftlich gesehen eigentlich nichts weiter als die Steigerung von Umsätzen in Geschäften. Big Business eben.

Geschichtlich gesehen dagegen ist Weihnachten die Geburt von Jesus Christus, was aber nicht so "einfach" zu beweisen ist wie die "Nicht-Existenz" des Weihnachtsmannes; ich weiß auch nicht genau, ob und wie viele Wissenschaftler sich darüber noch uneinig sind. Dieser Beweis fällt somit jedenfalls leider aus. Rein wissenschaftlich gesehen natürlich.

Da sich aber so viele Dinge nicht wissenschaftlich untermauern lassen besteht kein Grund zur Panik. Weihnachten darf gefeiert werden. Und wer sich gerade in dieser Zeit mal nicht auf seinen Verstand, sondern auf sein Herz verläßt, der wird vielleicht auch begreifen wieso uns zu Weihnachten das größte Geschenk gemacht wird, das die Menschheit je erhalten hat.

 
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Rubrik Glauben