Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 40 (Mai 1999)

Philosophie zur Zeit

von Fuchs und Ente
(für Hase)

Schön war das nicht, obwohl Du mich immer von dem Gegenteil überzeugen wolltest. Genauer gesagt, es war überhaupt nicht schön. Schön ist das völlig falsche Wort. Irgendwie habe ich mir das ganz anders vorgestellt, nach allem was Du mir erzählt hast. „Ostereierverteilen ist doch schön !" Haha. Enttäuscht bin ich, Opi. Aber Du bist ja nicht Schuld. Eigentlich ist niemand Schuld, außer vielleicht dieser komische Bauer Hans. Normalerweise ist man ja am Ostersonntagmorgen in der Kirche, wie alle aus dem Dorf. Ich dachte immer, alle Menschen mögen Ostern, aber dieser war anders. Ich war schon bei den Müllers und dem anderen Bauer Schmidt und die waren nett. Ich habe sie natürlich nicht getroffen, aber irgendwie waren deren Häuser schon nett. So machte das Ostereierverteilen Spaß! Voller Freude hoppelte ich weiter zum Nachbarhaus, da wo Bauer Hans mit seinen 7 Kindern wohnt. Mensch Hase, der Sack war ganz schön schwer. In dessen mit Osterglöckchen blühenden Vorgarten angekommen, wollte ich beginnen meine mit größter Mühe selbst bemalten Ostereier zu verstecken. Näse! Ein ziemlicher Reinfall war das! Dann war da noch dieser Köter. Vielleicht sollte ich lieber von vorne beginnen. Also, ich spazierte da gerade von Schmidt´s zu Hans, und ich hatte eh schon Schwierigkeiten mich in diesem hohen, ungemähten Gras zurechtzufinden, als ich den Bauer plötzlich in seiner Küche stehen sah. Ich schaute auf meinen Zettel, aber ich hatte mich nicht geirrt - er sollte zu dieser Zeit in der Kirche sitzen. Nun stand ich da mit meinem Sack voll Eiern. Was nun? Was tun? Du meintest immer, es gebe nichts wichtigeres, als die Eier an ihren Bestimmungsort zu bringen. Nun gut, was soll’s, dachte ich mir. Ich pirschte mich langsam an das große dunkle Haus heran und hielt nach geeigneten Verstecken Ausschau. Irgendwie muß er mich entdeckt haben, ich hatte nicht einmal Zeit, um zu überlegen, wo ich mich jetzt verstecken könnte, da fiel schon der Schuß. Knapp an meinem linken Ohr vorbei schlug er in den Gartenzaun ein. Ich glaube ein paar Osterglöckchen hat er auch noch getroffen. Der zweite Schuß war leider ein Treffer, obwohl ich schon rannte, muß er mich doch irgendwie erwischt haben. Mein Ohr blutete. Und dann war da noch Hannibal, ich kann mich noch genau an seine Beschreibung auf meinem Zettel erinnern, wo nur stand: VORSICHT! Doch was half mir das jetzt, wo er schon angerannt kam. Er schien mein Blut gerochen zu haben und so blieb mir nur noch die Möglichkeit in diesen verdreckten Tümpel zu springen. Nach etwa 3 Stunden wurde es dem Hund langweilig, mich bescheuert anzubellen. Und ich verzog mich unauffällig nach Haus. Eigentlich waren da noch fünf andere Familien auf meiner Liste, aber die konnten noch so nett sein, ich blutete. Schade!

Wie auch immer. Nächstes Jahr verteile ich keine Eier mehr.

Hase
 
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