Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 54 (Juni 2002)

Das Neue Rom

von Martin/YPR

Rom - Byzanz - Jerusalem
Foto   In diesen Städten nahm das Christentum eine besondere Rolle ein.

Alle 3 Städte spielten eine Rolle im christlichen Glauben, in der Politik(Alle drei waren Eckpunkte in den Kreuzzügen) und alle drei werden von Pilgern verehrt.

„Wenn wir vom Byzantinischen Reich sprechen, bedienen wir uns eines Begriffs der modernen Geschichtsschreibung. In Wirklichkeit hat es nie einen Staat gegeben, der sich selbst als Byzantinisches Reich bezeichnete; es gab vielmehr das Römische Reich mit Konstantinopel, dem neuen Rom, als Mittelpunkt. Die Bewohner dieses Reiches fühlten sich als Römer oder einfach als Christen. Wir stellen also eine akademische Frage, wenn wir wissen möchten, wann das Byzantinische Reich seinen Anfang nahm und wann es endete. Die einzig mögliche Antwort besteht in der Feststellung, daß die Historiker sich dafür entschieden haben das Byzantinische Reich mit der Gründung Konstantinopels im Jahre 324 n. Chr. zu beginnen und mit der Einnahme durch die Osmanischen im Jahre 1453 enden zu lassen.

Wie das römische Reich, trägt auch das byzantinische den Namen der Hauptstadt. Reich ist nicht das gleiche wie das moderne Land, sondern eine Summe kulturell verschiedener Provinzen, die durch die Hauptstadt einen Zusammenhalt erhalten, aber teils ihre eigenen Traditionen bewahren.

„Die Kunst von Konstantinopel ist die Verkörperung einer vollkommenen Philosophie. Die Grundlage dieser Philosophie blieb konstant, nur die Betonung wechselte manchmal. Die Byzantiner betrachteten die christliche Welt als irdische Spiegelung des Himmels, die durch die Menschwerdung Gottes geheiligt war.“

Als die römische Weltanschauung nicht mehr die Fähigkeit besaß, befriedigende Antworten auf die drängenden Lebensfragen zu geben und dem Reich einen einheitlichen Zusammenhalt zu geben, erfreuten sich verschiedene Philosophien und Kulte zunehmender Beliebtheit. Zu diesen gehörten neben dem letztendlich siegreichen Christentum der Stoizismus, der Neuplatonismus und verschiedene östliche Kulte, darunter besonders der Mithraskult.

Die Masse des Volkes flüchtete sich also in eine große Anzahl von Mysterienkulten; Das Christentum vereinte gegenüber seinen Konkurrenten alle Vorteile, die für eine Staatsreligion notwendig waren. Es sprach alle Bevölkerungsschichten an. Es gab den Menschen einen Halt in diesem Leben. Die Christen erregten Bewunderung und Spott durch ihre vorbildliche moralische Lebensweise. Die frühen Organisatoren der Kirche bauten eine gut funktionierende Verwaltung auf. Darüberhinaus stärkten die Christen den Zusammenhalt der Gemeinschaft.

Die Ostkirche (orthodoxe Kirche)

Die orthodoxe Kirche entstand als Theodosius I. das Christentum zur Staatsreligion erhob und somit der Staat über die Einhaltung der wahren Lehre wachte.

Charakteristisch für die orientalischen Liturgien ist der Reichtum an dogmatischem Gehalt (Orthodoxie), ihre Feierlichkeit in Zeremonien und Gewändern und die stärkere aktive Beteiligung des Volkes (Liturgiesprache = Volkssprache).

Die Ostkirche lehnt die unbefleckte Empfängnis Mariä ab. Außerdem geht der heilige Geist für die Anhänger der Ostkirche nur von Gottvater und nicht auch von dem Sohne aus (Streit um das „filioque“).

Stellung der Bilder im Osten und Westen - Einer der Gründe der Teilung der Kirchen

Westen: Bilder dienen als Bibel für „die im Geiste Armen“, für die ungebildete Menge und Analphabeten. Daher lastet den Bildern etwas Rohes an. Die Gebildeten lesen statt Bilder anzusehen. Bilder sind eher etwas Gedultetes. Daher haben die Bilder keine so hohe Stellung und die Bildgestaltung ist weitgehend der Willkür der Künstler unterworfen. Daraus resultieren eine Vielzahl an individuellen Stilen und eine schnelle Veränderung der Stile.

Osten: Allein die Tatsache, daß ein Streit über Bilder das ganze Reich erschüttern konnte, zeigt welch hohe Bedeutung Bilder besaßen. Bilder dienen, dadurch daß sie Christus als Mensch zeigen, als Beweis das Gott Mensch wurde. Bilder dienen unmittelbar der Vergegenwärtigung der obersten Heilstatsache.

„Das wahre Bild sei wie die Schrift der Bücher,“ sagte Symeon von Thessalonike. Genau wie die Schrift müssen die Bilder deshalb eine feststehende, genormte äußere Form bewahren, um verständlich zu bleiben. Der Patriarch Gregor Melissenos meinte in diesem Zusammenhang einmal: „Wenn ich eine lateinische Kirche betrete, kann ich keinen der dort dargestellten Heiligen verehren, weil ich keinen von ihnen wiedererkenne. Allenfalls erkenne ich Christus, aber auch ihn vermag ich nicht zu verehren, denn ich weiß nicht, in welcher Weise er beschriftet ist.“

Architektur

„Trotz des zahlreich vorhandenen Materials ist unsere Kenntnis der byzantinischen Architektur noch immer sehr bruchstückhaft und unausgewogen. Man überlege sich die folgenden Tatsachen: Konstantinopel, das wir viel besser kennen als die meisten anderen byzantinischen Städte, besaß im Laufe des Mittelalters über 500 Kirchen und Klöster. Davon sind etwa 30 in unterschiedlichen Stadien des Verfalls erhalten geblieben - weniger als zehn Prozent. Die beiden kaiserlichen Paläste - der Große Palast und der Blachernenpalast - sind so gut wie spurlos verschwunden, und von den herrschaftlichen Häusern, die es zu Hunderten in der Hauptstadt gab, sind nur noch in zwei oder drei Fällen bedeutende Überreste vorhanden.

Zentrum Konstantinopel

 
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