Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 65 (Mai 2006)

Interview mit Monika Kaufmann

geführt von Angelina/YPR

Wann bist Du mit Karlo, Deinem Mann, in die Gemeinde gekommen und wie war das?
 

Foto (Ehepaare Kaufmann und Nehlsen)Im Oktober 1977 war der Beginn von Karlos Dienstzeit. Das war stark, wir haben hier diese riesen-Wohnung gekriegt, Birthe war noch klein und erst ein halbes Jahr alt. Wir dachte uns „Wie füllen wir diese Räume?“ Aber es gelang dann auch. Wir wollten damals nach Berlin und es war auch klar, dass es diese Gemeinde war, die Nehlsens1 und wir suchten. Die ganze Geschichte wird viel zu lang, aber es war eine tolle Gebetserhörung.
 

Seit wann machst Du schon die Arbeit mit den Konfirmanden?
 

Seit Sigrid2 weg ist – so etwa 12 Jahre.
 

Wo hast Du gelernt, wie man Konfirmanden unterrichtet?
 

Ich bin von Haus aus Lehrerin. Ich bin Grundschullehrerin, darf auch an Hauptschulen unterrichten, war aber nur an der Grundschule. Das ist der Beruf, den ich wirklich total gerne gemacht habe.

Mit dem Beruf meines Mannes und dem Kommen der Kinder habe ich mich entschlossen, zuerst nicht mehr berufstätig zu werden. Dann dachte ich, dass ich in der Gemeinde alles, was ich kann, meine Gaben, ehrenamtlich einbringen kann, wenn ich das will. Ich wollte auch von Anfang an das Ehrenamt fördern.
 

Was ist für Dich das Wichtigste, was in der Konfirmandenarbeit geschieht?
 

Die Konfirmanden sollen Grundlagen im Glauben kriegen – vom Unterrichtsstoff her.

Sie sollen aber auch Verbindung zu Menschen bekommen, die schon glauben, damit das nicht im luftleeren Raum steht. Wichtig für mich ist nach wie vor die Konfirmandenfreizeit, weil das wirklich ein Werkzeug ist, was Gott meiner Meinung nach immer noch sehr gut benutzt, um die Konfis in einer anderen Form als nur den Unterricht näher an den Glauben heranzuführen. Außerdem sind sie da umgeben von jungen Leuten, die schon glauben.

Wichtig im Unterricht ist mir die Atmosphäre, damit man hinterher nicht nur sagen kann, „Ich habe schon längst alles vergessen“, sondern auch sagen kann, „Es war nicht alles nur ätzend, sondern da waren auch Leute, die dahinter standen, die uns auch mochten!“
 

Wie wünschst Du Dir einen „perfekten Konfirmanden“, braucht man den überhaupt?
 

Ach du liebe Zeit. Es gibt den perfekten Menschen nicht. Dass wäre ganz schlimm, wenn die Konfis uns nicht immer an unsere Grenzen führen würden und wir uns nicht immer neu auf andere Menschen einlassen könnten.

Ich würde gerne auch andere Unterrichtsformen ausprobieren, für die ich aber leider keine Zeit habe. Trotzdem möchte ich, dass etwas in den Stunden vermittelt wird und dafür braucht es von den Konfirmanden Konzentration und eben auch Leute, die nicht dauernd den Unterricht stören. Wenn man immerzu am Ermahnen ist, beeinträchtigt das dann auch die Atmosphäre, da die anderen dann immer wieder warten müssen und aus dem Motivationsschub rausgerissen sind. Da bekomme ich bei den jetzigen Vorkonfirmanden immer eine Gänsehaut, wenn ich da vorne stehe und sehe, wie ruhig und konzentriert die sind. Das ist „Balsam“ nach anderen Erfahrungen. :-)
 

Gibt es etwas, was Dir in der Konfirmandenarbeit noch „fehlt“?
 

Wenn man in bestimmten Bereichen in der Gemeinde tätig ist, ob Jugendarbeit, Abenteuerland (Arbeit mit Kindern) oder Konfa, dann wünscht man sich, dass die Gemeinde diesen Bereich, was immer das ist, mitträgt. Ich habe im Frauenkreis auch immer wieder die Möglichkeit, die Konfirmandenarbeit darzustellen und dort Gebetsanliegen einzubringen. Diese Verzahnung mit der Gemeinde ist mir wichtig, wie sie z.B. auch vielfach schon mit den Gebetspaten gelaufen ist. Ich kann aber auch nicht verlangen, dass jeder laut losschreit: „Hurra nur noch Konfis“. Trotzdem sollten die Konfis immer in der Gemeinde willkommen sein. Und es ist eben auch eine große Anforderung für die Gemeinde, sich immer wieder auf neue Konfis einzustellen, von denen dann vielleicht 2% oder 10% bleiben.
 

Im Oktober findet wieder die Herbstfreizeit statt. Gibt es etwas, was Du Dir für diese Freizeit und den „Konfijahrgang“ wünschst?
 

Gruppenfoto (Konfafahrt 2004)Eigentlich wünsche ich mir das gleiche wie immer: Dass sie behütet bleiben, weiterkommen an Geist, Seele und Leib. Dass sie ein Stück mehr von Jesus live erfahren, dass er lebt und dass sie das Ganze weitermachen wollen. Und dann wünsche ich mir noch ein paar mehr Beter im Hintergrund, speziell für diese Zeit. Ich finde es auch klasse, dass die Konfafahrt auch gleichzeitig mit der Jugendfreizeit verbunden wurde seitdem Gernot3 weg ist. Ich war leider noch nie auf einer Fahrt mit, aber nach dem, was ich gehört habe, bekommen ja auch die, die als Mitarbeiter dabei sind einiges geboten und können ihre Fragen mit einbringen. Natürlich wünsche ich mir auch für diejenigen, die „nur“ als Mitarbeiter mitfahren, dass sie da Spaß dran behalten und auf keinen Fall sparsam sein sollten mit neuen Ideen. Aber auch das sie Freude haben werden und selber erfüllt von der Fahrt zurückkommen!
 

Du bist auch am Jugendgottesdienst »JAM« beteiligt. Welche Bedeutung hat Jugendgottesdienst für Dich in unserer Gemeinde?
 

Das finde ich toll – das ist ein neues Pflänzchen, was wächst und was ich auch sehr gerne gießen und düngen möchte. Wir haben auch in diesem Bereich schon einiges ausprobiert und ich bemühe mich immer wieder darauf zu hören, was die Jugendlichen wollen.

Auch wenn ich immer wieder vermittle, dass der Gottesdienst der Ort ist, wo alle zusammenkommen, wo man sieht, dass Jesus alle zusammenhält, finde ich es in Ordnung, dass auch Konfirmanden irgendwo ihren Gottesdienst brauchen. Denn es ist schon seit dreißig Jahren so gewesen, dass nicht alle, die in einen Kreis gehen, auch im Hauptgottesdienst auftauchen.
 

Kommen jetzt mehr Konfis zum Gottesdienst als früher?
 

Ich bin ja immer erstaunt. Das muss ich schon sagen. Meine jetzige Gruppe, die singt im Gottesdienst alle Gesangbuchlieder mit. Leider kommen wenige von ihnen trotz Einladung in den Jugendgottesdienst - wohl weil sie einfach den Termin am Samstagabend vergessen. Dabei könnten sie da auch eine andere Art von Liedern kennen lernen.
 

Gibt es etwas, was Dich bei »JAM« besonders freut oder Dir besonderen Spaß bei der Mitarbeit macht?
 

Ihr seid alle so kreativ und ich freu mich einfach, wenn die Ideen sprudeln und kommen und es super Beiträge sind. Ob es nun Theater oder Videos sind oder wenn auch Themen kommen, die ich mich schon gar nicht mehr traue vorzuschlagen über „Sünde und Vergebung“ und so. Und dass es einfach gelingt. Diese Musikgruppe muss ich sagen, dass ist phänomenal, was ihr da einfach versucht – und liebevoll versucht. Wir haben das, was wir haben und daraus macht ihr etwas. Und das finde ich schon toll.
 

Vielen Dank für das Gespräch!
 

1 Axel Nehlsen, Pfarrer, 1977-1988
2 Sigrid Bunge, Gemeindehelferin, 1981-1993
3 Gernot Spies, Pfarrer, 1991-2000

 
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