Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 64 (Dezember 2004)

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

von Axel/YPR

Seid gleich den Menschen,
die auf den Herrn warten.

(Lukas 12,36a)

Am Ende dieser Zeit baue ich dann die Krippe auf. Alles fein säuberlich, das Stroh, die Tiere, die Figuren. Alles soll bereit sein. Ich gehe schlafen. Mitten in der Nacht stehe ich auf um mir etwas zu Trinken zu holen. Ich setzte mich mit meinem Glas ins Wohnzimmer und schaue mir noch mal alles an. Da hebt der Esel seinen Kopf und sagt: „So, du denkst also, dass jetzt alles fertig ist? Kommt dir vielleicht in den Sinn, dass dieser Stall alles andere ist als ein gut vorbereiteter Empfang für den Retter der Welt?“ – „Naja...“, sag ich. „Es hat schon eine gewisse Romantik.“ „Romantik?“, wiehert er mich an. „Biste schon mal in ’nem Viehstall gewesen? Romantisch riecht det nich.“ „Ja gut, was soll ich denn machen?“, sag ich. Peinliche Pause. „Mach hoooch die Tüüür!“, wiehert der Esel. „Psssst, es werden noch alle wach!“, zische ich. „Pass auf“, sagt er zu mir. „Dat ist ja alles janz nett mit deiner Deko, aber...“ „Ja, ja, besser vorbereitet sein auf Weihnachten.“, unterbreche ich ihn. „Wenn ich das mal könnte! Vier Wochen! Und dann kommt auch noch die Kirche und sagt Advent ist im Dezember. Die sollen uns mal lieber mehr Zeit geben, dass wir uns ein schönes Weihnachtsfest vorbereiten können.“

Esel„Wieder einer, der keine Geduld hat bis nach dem Totensonntag zu warten“, sagt er zum Ochsen.“ Keine Reaktion... „Holzkopf“, sagt er. „Du doch auch“, denke ich, sage aber: „Warten, warten, warten! Worauf denn. Am Ende stehen die Verwandten vor der Tür und es wird wieder gemäkelt, dass der Baum schief steht und zu wenig Kugeln bammeln. Darauf lohnt sicht nicht zu warten.“ „Vielleicht dann auf Gott?“ Er sieht mich herausfordernd an. „Ja, das kann ja noch eine Weile dauern. Was soll der denn auch bei mir.“ „.Kann ich mir och nich vorstellen. Aber so is dit nun mal mit Gott. Der ist halt auch zu den Leuten gekommen, die ihre Wohnstube nich pikobello in Ordnung hatten.“ „Na, das wär doch mal was“, sag ich. „Wäre nur ganz nett zu wissen, wann der bei mir vorbeischaut.“ „Siehste, so ist das halt mit dem Warten. Wann es genau so weit ist, weiß man halt nicht.“ „Hmm“, sage ich. „Nur Weihnachten kommt fest am

24. Dezember – darauf kann ich mich verlassen.“ Grinsend schaut mich der Esel an. „Dit iss it: Gott verspricht uns, dass er kommt und Weihnachten iss er dann gekommen. Du sagst ihm, dass er kommen soll und er kommt och.“

„Das“, sage ich, „wäre mal ein schönes Geschenk.“

Am nächsten Morgen wache ich auf. Die Krippe steht noch da, wie ich sie aufgebaut habe. Nur ich stehe jetzt woanders.

 
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Rubrik Glauben