Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 57 (Dezember 2002)

Die 10.00 Uhr - Initiative

von Norman/YPR

laufende Uhr   So, in diesem Artikel geht es mal nicht um Weihnachten, hier gibts Klartext, knallharten Enthüllungsjournalismus, der die Welt verändern kann, wenn alle damit einverstanden sind.

Schon häufig, ich bin vom Zählen müde geworden, sprachen mich kleine Konfis mit dunklen Augenrändern oder auch gestandene Jugendliche mit ganz roten Äuglein am Sonntagmorgen an:

Warum beginnt unser Gottesdienst so früh? Warum können wir nicht um 10 Uhr anfangen? Früher, als du noch jung warst, war doch der Gottesdienst auch bei uns um 10 Uhr, oder? Ich war so müde, dass ich zu schwach war mir meine Unterschrift abzuholen, gibst du mir eine? Darf ich mich im Foyer auf die Liege legen? Wie war das damals als der Gottesdienst noch um 10 Uhr war? Warum kann unser Gottesdienst nicht um 10 Uhr sein? Kann die Youthpaper da nicht was machen?

All diese Fragen ließen mir keine Ruhe und verkürzten meine ohnehin schon knapp bemessene vorsonntagliche Nachtruhe noch weiter. Doch jetzt ist Schluß damit, an dieser Stelle erhebt sich die Youthpaper aus der grauen Masse der leidgeprüften 9.30 Uhr-Sonntagskirchgänger und ruft laut: WARUM KANN UNSER GOTTESDIENST NICHT WIEDER UM 10 UHR SEIN?

Doch wir wären nicht knallharte Journalisten, wenn wir nicht alle Fakten auf den Tisch legen würden. Zu dieser ganzen Thematik braucht man auf Fakten basierendes Hintergrundwissen. Denn, wie kam es dazu, daß unser Godi um 9.30 Uhr ist?

Also, das ist nämlich so, daß die evangelische Kirche nicht mehr soviel Geld hat, deshalb müssen die Kirchengemeinden Geld sparen, auch unsere die ApoJo. Besonders viel Geld wird immer für das Personal ausgegeben. Und dann hatte man die Idee, daß man sich doch unseren Kantor, also den Musikmeister unserer Gemeinde, mit einer anderen Kirchengemeinde teilen könnte, damit dann beide nur jeweils die Hälfte zahlen müssen. Und dann haben wir uns unseren Kantor mit der Luther-Gemeinde geteilt. Ein Problem aber war, das man einen Kantor nicht in zwei Teile schneiden kann, damit er gleichzeitig in zwei Gottesdiensten die Orgel spielen kann, wäre auch sowieso blöd, weil man mit einem Arm und einem Bein garnich Orgel spielen kann. Deshalb wurde gesagt: OK, wir machen unseren Godi um 9.30 Uhr und die Luther-Kirche um 11 Uhr, dann kann der Kantor in beiden Godis spielen.

So war das eigentlich gedacht und das hat auch eine ganze Weile geklappt, aber dann hat die Luther-Gemeinde gesagt, daß sie die Hälfte nicht mehr bezahlen will, weil ihr das zu teuer ist oder so, und nun ist unser Kantor wieder ganz bei uns. Jetzt könnten wir theoretisch den Godi wieder auf 10 Uhr verlegen, aber das möchte die Gemeindeleitung und der GKR nicht, weil sie weiterhin nach einer anderen Gemeinde sucht, mit der wir uns den Kantor teilen könnten und dann müsset der Godi ja schon wieder verlegt werden und das würden viele Leute, besonders die älteren dann alles nicht verstehen.

Der kühle Denker fragt jetzt natürlich: wenn wir uns aber jetzt den Kantor wieder teilen, wer sagt denn dann, dass wir die Zeit nicht sowieso wieder verlegen müssen, wir können ja gar nicht wissen, ob 9.30 Uhr dann überhaupt geht. Außerdem weiß doch niemand wann das sein wird und überhaupt, wer sagt denn, das die älteren so unflexibel sind und sich nicht an eine neue Gottesdienstzeit gewöhnen könnten, die sind wacher, als wir denken.

Deshalb bleibt unsere Frage bestehen: WARUM KANN UNSER GOTTESDIENST NICHT WIEDER UM 10 UHR SEIN?

Nun mögen manche zurecht sagen: Wer um 9.30 Uhr zu müde für den Godi ist, der ist um 10 Uhr auch noch zu müde! Was bringt schon eine halbe Stunde?

Das ist eine Menge Zeit werden diejenigen sagen, die beispielsweise am Gottesdienst beteiligt sind und sonntags schon früher zum Proben erscheinen müssen, teilweise um 8 Uhr, und dies ehrenamtlich tun, ohne Bezahlung. Oder diejenigen, die einen weiteren Anfahrtsweg haben und nicht zur Kirche laufen können. Oder diejenigen, die noch ein oder mehrere Kinder einpacken müssen, bevor sie zum Godi kommen, wobei die Zahl dieser Leute in der Zeit seit der Gottesdienstzeitumstellung in unserer Gemeinde stark zurückgegangen ist, was sicherlich allerdings nicht allein an der Zeit liegt.

Es gibt viele Für und Wider. Das einzige, was wir wollen, und deshalb starten wir ab sofort die 10.00 Uhr – Initiative, ist, das die Gemeinde (und zwar die, die zum Godi auch kommen!) gefragt wird, was sie bevorzugt: 9.30 Uhr oder 10.00 Uhr, unabhängig davon, ob wir vielleicht irgendwann diese Zeit aus irgendwelchen Gründen mal wieder ändern müssen. Dann ändern wir sie halt.

Unsere Meinung ist klar: Die Youthpaper-Redaktion hätte den Godi gern wieder um 10.00 Uhr.

 
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