Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 55 (September 2002)

ROM - Die ewige Stadt

von Martin/YPR

Eine Zeittafel zur Übersicht:

753(v. Chr.) Gründung Roms (Romulus und Remus)
um 510Vertreibung der etruskischen Könige; Beginn der römischen Republik
64(n.Chr.) Brand Roms unter Kaiser Nero; erste Christenverfolgung
67Kreuzigung Petri in Rom und Bestattung auf dem Ager Vaticanus
313Mailänder Toleranzedikt: Gleichstellung des Christentums durch Kaiser Konstantin
1054Endgültiger Bruch Roms mit der orthodoxen Kirche von Byzanz
1059Lateransynode: Papstwahldekret schränkt zur Ausschaltung weltlicher Einflüsse Wahlrecht auf Kardinäle ein
1309Verlegung der päpstlichen Kurie nach Avignon. Rom ist den Parteienkämpfen und dem Verfall ausgesetzt
1582Einführung des Gregorianischen Kalenders durch Gregor XIII.
1789/99Unter dem Eindruck der Französischen Revolution Ausrufung der Römischen Republik. Pius VI. wird nach Frankreich deportiert.
1814Restauration Pius’ VII. als Souverän des Kirchenstaates
1869/70Erstes Vatikanisches Konzil: Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit
1870am 20. September Einmarsch italienischer Truppen durch die Porta Pia nach Rom.
Ende des Kirchenstaates.
1929Abschluß der Lateranverträge zwischen Mussolini und Pius XI.; der Papst als Souverän des Vatikanstaates anerkannt.
1962-65Zweites Vatikanisches Konzil

Die Gründung von Rom 753 v. Chr. Ist geschichtlich nicht belegt oder gehört daher zum Mythos dieser Stadt. Ich gehe heute „nur“ auf die Architektur, einen kleinen Teil der Geschichte und auf den Vatikan ein. Ich werde alle Themen nur anschneiden, wer Rom einmal gesehen hat, der weiß, man kann unmöglich alles sagen. Die geschichtliche Zeittafel erzählt Euch das Wesentliche. Rom muß man erleben.

Das Kolosseum gehört zu dem Teil der römischen Kultur, der für uns fremdartig und abstoßend ist, denn es diente als Stätte von Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen. Die Römer hatten die Gladiatorenspiele wohl von den Etruskern übernommen. Mit der Zeit wurden sie zum Instrument, mit dem die Politiker die Volksmassen für sich einzunehmen versuchten. Das Kolosseum wurde im Jahr 80 n.Chr. von Kaiser Titus mit 100 Tage währenden Spielen eingeweiht. Christen wurden hier jedoch - entgegen der Legende - nie wilden Bestien vorgeworfen. Im Dezember 1999 ist das Kolosseum mit einer Licht - Installation als Monument gegen die Todesstrafe in aller Welt eröffnet worden. Das Denkmal soll künftig jedes Mal für 48 Stunden hell beleuchtet werden, wenn irgendwo in der Welt eine Todesstrafe nicht vollstreckt wurde. Die Aktion wird von verschiedenen Menschenrechtsgruppen, darunter der katholischen Basis - Gemeinschaft getragen.

Elf antike Obelisken schmücken heute die wichtigsten und schönsten Plätze Roms. Die meisten stammen aus Ägypten, wo sie auf einen uralten Sonnenkult in Heliopolis zurückgehen. Als die Römer unter Augustus Ägypten besetzt hatten, interessierten sie sich auch für diese Steinmäler.

Der Petersplatz und die Peterskirche. Aus unzähligen Fernsehübertragungen ist der Petersplatz jedem bekannt. Hier zelebriert der Papst die Messe vor hunderttausend Menschen im Freien. Vom Balkon in der Mitte der Fassade der Peterskirche erteilt er danach den Segen „Urbi et Orbi“. Hier wird auch der neugewählte Papst den Gläubigen vorgestellt. Während des ganzen Jahres 2000 fand ein tägliches Abendgebet auf dem Petersplatz statt. Die Pilger sind um 19.00 Uhr (im Sommer um 19.30 Uhr) am Obelisken oder auf dem Podest vor dem Eingang zu gemeinsamen Gebet und Meditation eingeladen worden. Die halbstündige Feier bestand aus einer Schriftlesung, dem Glaubensbekenntnis, dem Vaterunser sowie Fürbitten. Den Schlußsegen spendete im Namen des Papstes ein Kardinal oder ein anderer hoher Würdenträger. Jeden Mittwoch richtete sich das Gebetstreffen vor allem an Jugendliche. An der Stelle, wo der Überlieferung nach der Heilige Petrus bestattet ist, wurde Anfangs des 4. Jahrhunderts die erste Peterskirche errichtet und von Papst Silvester I. 326 geweiht. Es war eine fünfschiffige Basilika. Im 15. Jahrhundert hatte diese Kirche, besonders nach dem Exil der Päpste in Avignon, an Pracht eingebüßt und war baufällig geworden. Papst Nikolaus V. rief im Jahr 1452 zu Spenden für den Bau eines neuen Gotteshauses auf. Der Bau zog sich über mehr als 150 Jahre hin. Alle bedeutenden Baumeister der Renaissance und des Barock waren daran beteiligt.

Die Sixtinische Kapelle wurde 1475-81 als päpstliche Hauskapelle unter Papst Sixtus IV. della Rovere erbaut, daher ihr Name. Von außen ist sie ein mittelalterlicher Bau. Seit damals ist sie, mit nur wenigen Ausnahmen, der Ort, an dem die Papstwahl, das Konklave, stattfindet. Die Kapelle zieht wegen ihrer Ausmalung mit Fresken Millionen von Kunstliebhabern an.

Ein Anriß der Geschichte

Nach dem Verlust von Jerusalem 1244 war es für christliche Pilger sehr erschwert oder gar unmöglich, in das Heilige Land zu pilgern und dort einen vollkommenen Ablaß zu erlangen. Die Hoffnung richtete sich auf Rom. Man erwartete um die Jahrhundertwende ein außergewöhnliches Ereignis, eine besondere Gnade. Der Gedanke lag in der Luft und das Gerücht verbreitete sich, daß an Weihnachten 1300 (das neue Jahr begann am Weihnachtstag, nicht am 1. Januar) ein besonderer Ablaß in Rom erteilt würde. Die Peterskirche konnte die Menschen gar nicht alle fassen, die sich nach Rom aufgemacht hatten um mit einem Schlag alle ihre Sündenstrafen loszuwerden. Es handelte sich um eine echte Volksbewegung, kein Papst hatte sie gerufen, keiner hatte ihnen etwas versprochen. Der Papst jener Jahre, Bonifaz VIII. Caetani, wußte zunächst gar nicht, was er mit den Scharen von Pilgern anfangen sollte. Ein christliches Heiliges Jahr hatte es noch nie gegeben, obwohl einige Pilger es behaupteten und Bonifaz VIII. selbst es schließlich zu glauben schien. Die Bulle, mit der er nach zweimonatigem Zögern das erste Heilige Jahr eröffnete, beginnt mit den Worten: „Antiqorum habet fida relatio - der glaubwürdige Bericht der Alten sagt, daß jenen welche die ehrwürdige Basilika des Apostelfürsten betreten, große Verzeihungen und Nachlässe gewährt werden“.

S.P.Q.R.

Ein Buchstabenzug, der einem wirklich überall begegnet, den man sogar mit Füßen tritt, ist das altehrwürdige Kürzel SPQR. Jeder Kanaldeckel trägt dieses Signet, die Fahrzeuge der Müllabfuhr, die Stadtbusse, jede Anschlagtafel, die Trinkbrunnen und natürlich das Stadtwappen. Eine frühe Form von Firmenlogo, Staatswappen und Corporate Identity in einem, eine moderne Werbeagentur hätte kein prägnanteres und kürzeres Symbol für alles, was mit Rom zu tun hat, schaffen können. Hinter diesen vier Buchstaben verbirgt sich die antike Formel „Senatus Populusque Romanus“, zu deutsch „Der Senat und das Volk von Rom“. SPQR war das Hoheitszeichen des antiken Staates so wie heute der Bundesadler oder die Nationalflagge. Wo SPQR zu lesen war, machte Rom seine Ansprüche geltend, auch in der fernsten Provinz. Erstaunlich ist, daß dieses Zeichen den Untergang des Römischen Reiches unbeschadet überstand und durch alle Zeiten hindurch verwendet wurde. Es zeugt von der Kontinuität des antiken Gedankengutes, nach der sich die heutige Stadtverwaltung als Erbe des römischen Senats sieht. Die Abkürzung reizte Spötter zu anderen Deutungen der vier Buchstaben, nicht immer sehr anständige: So wurde es mit „Sono Pazzi Questi Romani“ erklärt, auf deutsch „Die sind verrückt, die Römer“ (Anm. d. Layouters: Die spinnen, die Römer!). Eine ironische Deutung stammt vom römischen Mundartdichter G. G. Belli: „Solo Preti Qui Regnano“, auf deutsch: „Hier regieren nur Priester“.

 
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