Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 53 (April 2002)

Campone - Teil 2

von Fabian/YPR

Campone   Ich rang ein paar Sekunden. Es galt die Stimmen in mir gegeneinander aufzuzählen. Beinahe wäre ich Michelles Charme unterlegen gewesen und hätte versucht, sie zu küssen, doch ganz knapp entschied ich mich, sie etwas zu fordern: "Na, wo ist denn nun euer Boss? Meintest du nicht ihr habt ne andere Methode? Na dann zeig mal Madame!?".

Michelle versuchte zu lächeln, ich sah ihr die Anspannung an. "Wenn du es so nennen willst, ja, wir haben unsere Methoden. Zum Bespiel trUST, aber das heißt nicht, vom Denken befreit zu sein." Ich wusste nicht, was sie meinte. Hieß trust nicht vertrauen oder sich anvertrauen auf Englisch? Egal. Meine Augen durchstreiften den Raum. Es war eine Art Büro. Schreibtisch, Bücherregale, ein kleines Fenster. Zu klein für uns. Die Tür war gepolstert, stark in den Fugen. Anscheinend sollte kein Wort nach außen dringen. Die Stimmen draußen kamen näher. Plötzlich drückte mich Michelle in eine Ecke neben der Tür. Rannte zum Fenster. Es schepperte! Sie riss ein Stück ihres Ärmels ab und stach den Fetzen auf die Scheibenüberreste, die noch im Fensterrahmen zurückblieben. Dann warf sie den Anrufbeantworter Richtung Deckenbeleuchtung. Rannte hinter die Tür. Zog den Schlüssel ab. Was sollte das? Zu spät. Schon ging die Tür auf. Ich drückte mich ins Dunkel. Vorsichtig lugte einer der Typen in den Raum. Nervös hämmerten seine Hände auf den Lichtschalter. Zum Glück hatte Michelle getroffen, sonst hätte man uns gleich gesehen. Zu viert schlichen die Schränke nun vorwärts durch den Raum, bis sie das Fenster sahen und das Wunder bestaunten: "Wie sind die da nur durch gekommen? Last uns den Raum noch mal durchsuchen!" Michelle sprang hervor. Zerrte mich raus. Tür zu. Sie schloss ab. Schon warf sich einer gegen die Tür. Zum Glück war sie so massiv. Ich musste innerlich schmunzeln. War das gerade nicht ein Schultrick gewesen?! Rasch bewegten wir uns in Richtung Spielsaal. Unverändert tobte die Party. Wir drängten uns durch die Massen zum Auslass. Oh, einer der Türsteher stand am Ausgang. Grad sagte er irgendwas, sichtlich verwundert, uns ohne seine Freunde zu sehen, als ich ihm eine verpasste. Er flog um. Ich schaute zu Michelle, irgendwie schien ihr das gar nicht zu imponieren. Endlich draußen.

Wir sahen Gregori schon auf der anderen Straßenseite im Wagen auf uns warten. Erleichtert schritten wir, um die Straße zu überqueren.

Plötzlich bogen die vier Typen um die Ecke. Anscheinend hatten sie sich befreit und einen Hinterausgang genommen. Als sie uns sahen, rannten sie auf uns zu. Sie machten einen wütenden Eindruck. Alles ging jetzt schnell. Bis zum Wagen würden wir es nicht mehr schaffen. Also hieß es jetzt selber rennen. Michelle hatte sie anscheinend schon bemerkt, ihre Schuhe in die Hand genommen… wir rannten. Quer über die Straße in eine kleine Gasse. Leider war so spät nachts keiner unterwegs, so dass man unsere Schritte zwischen den Häusern hallen hörte. Hinter uns hecheln. Da rechts, dann wieder links. Plötzlich standen wir und konnten nicht mehr weiter. Wir waren in einen Hof gelangt. Michelle versuchte sich an einer der Haustüren. Alle zu, keine Chance zu entkommen. Verdammter Mist. Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Die Typen kamen auf uns zu. Sie gingen auf uns los. Ich stellte mich vor Michelle. Grad als ich ausholte, bekam ich einen Hieb zwischen die Beine. Und was für einen. Ich sackte zu Boden, es wurde neblig vor meinen Augen, alles erschien mir in Zeitlupe. Was folgte, war es ein Traum? Michelle, ganz weiß im Gesicht vor Anspannung aber in vollem Bewusstsein stand ganz ruhig, als die vier Typen auf sie losgingen. Als sie begannen Hand anzulegen, sah ich plötzlich zwei Michelles! Besser, ihre Gestalt erschien mir doppelt. Eine die unbewegt da stand, ganz regungslos abwartend und der anscheinend die Schläge nichts anhaben konnte. Die andere dagegen zuckte zusammen und wurde getroffen. Die Typen schienen nur sie wahrzunehmen. Schließlich sank sie schlaff auf den Boden.

Der Spuck war vorbei. ,,Oh, das war vielleicht ein bischen zu viel für die Kleine", sagte einer, der grad dabei war seine zu Schanden gekommen Hand mit seinem Taschentuch abzutupfen. Schließlich schlenderten die Typen davon. Die am Boden liegende Gestalt war verschwunden. Die andere bückte sich zu mir runter. Es war wieder ganz, die ich kannte - Michelle:"Alles klar Campone?". Immer noch schmerzten meinte besten Teile. "Das frag ich dich?" - ,,Mich haben sie komischer Weise nicht angerührt!", antwortete sie zu meiner Verwunderung. "Mein italienischer Held, lass uns gehen!". Ich war verwirrt und außerdem ärgerte mich ihr ironischer Ton: "Was hast du denn so stumm die Zeit gemacht?". "Ich hab an den Chef vom Chef gedacht und da ist mir klar geworden, dass er uns immer im Auge hat und sieht - trUST!". Also das war jetzt wirklich die Höhe! Während ich auf dem Boden liegend mit der Pfütze flirte und sie vier Typen verprügeln wollen, denkt Michelle an irgend son hohes Tier, das den großen Beschützer spielt … und kommt durch! Sauer stand ich auf.

Ich war heilfroh als mich Michelle und Gregori zu Hause absetzten. Mein Unmut war auf der Rückfahrt etwas abgeklungen. Ich stieg noch im dritten aus, um mit meinem letzten Euro im Portemoney eine gekühlte Cola aus dem Automaten zu ziehen. Geld rein. Klirr! Knopf gedrückt. Oh Shit, das Ding klemmte. Mist! Ich lass mich doch von so nem Automaten nicht anmachen! Meine Augen schwirrten im Gang umher. Ich suchte einen Gegenstand um meinem Bedürfnis nach einer Cola Nachdruck verleihen zu können. Aber was entdeckte ich in sechs Meter Entfernung? Die Tür meiner Untermieterin war nur angelehnt. Ein Lichtschein kam heraus. Auf dem Gang stand eine Kiste mit Wein und ihre Sporttasche. Durch den offenen Reisverschluss schien es mir, als sei sie voller Banknoten! Es schoss mir durch den Kopf: Bin ich im Film? Mensch Campone, was machste jetzt?

  1. So wie immer. Cool bleiben. Ab in Schatten. Zigarette an. Aufpassen das der Rauch mich nicht verrät. Die Sache beobachten. Information geht über alles. Campone is watching you.
     
  2. Klar man, schnell aber vorsichtig geh ich hin, schnapp mir die Tasche, wenn's günstig scheint! Im Notfall werd ich mit ihr schon fertig. Dumm ist, wer die Möglichkeit scheinbar dummes zu tun, ausschliesst.
     
  3. Jetzt mal halb lang. Sachte. Genug Stress für heute. Ich geh hoch. Leg mich in meine Badewanne. Lass dabei eine meiner Tangoplatten laufen. Einen kühlen Drink im Arm. Versuch morgen mit der Casanovanummer mehr von ihr zu erfahren.

 

Ob und wie die Geschichte
weitergeht hängt nun von
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