Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 53 (April 2002)

Jerusalem

von Martin/YPR

Zehn Maß Schönheit kamen in die Welt;
Jerusalem nahm neun
und der Rest der Welt eines.
1)

Im Herzen des Landes, eingebettet in die Berge von Judäa, liegt Jerusalem, die Hauptstadt Israels. Die alten Steine der Stadt, durchtränkt von Jahrtausenden Geschichte, und ihre zahlreichen historischen Stätten, religiösen Heiligtümer und Orte des Gebets legen Zeugnis von ihrer Bedeutung für Juden, Christen und Moslems ab.

Im Jahre 1003 v. u. Z. machte König David Jerusalem zur Hauptstadt seines Königreichs und zum religiösen Zentrum des jüdischen Volkes. Rund vierzig Jahre später erbaute sein Sohn Salomo mit dem Tempel den Mittelpunkt des Volkes Israel in religiöser wie nationaler Hinsicht und verwandelte Jerusalem in die blühende Hauptstadt eines Reiches, das vom Euphrat bis Ägypten reichte. Jerusalem blieb die Hauptstadt der davidischen Dynastie 400 Jahre lang, bis das Königreich durch Babylonier erobert wurde. Der babylonische König Nebukadnezar eroberte Jerusalem im Jahre 586 v. u. Z., zerstörte den Tempel und trieb das Volk ins Exil. Fünfzig Jahre später, als Babylonien durch die Perser erobert wurde, erlaubte König Cyrus den Juden, in ihre Heimat zurückzukehren, und gewährte ihnen Autonomie. Sie errichteten einen Zweiten Tempel an der Stelle des Ersten und bauten die Stadt mit ihren Mauern wieder auf. 5 1/2 Jahrhunderte lang war Jerusalem wieder die Hauptstadt des jüdischen Volkes in dessen Land. Die christliche Verbindung zu Jerusalem ist im wesentlichen religiöser Natur. Die Kreuzfahrer eroberten Jerusalem im Jahre 1099, schlachteten seine jüdischen und moslemischen Bewohner ab und machten die Stadt zur Hauptstadt des Kreuzfahrerreiches. Die Kreuzfahrerherrschaft in Jerusalem endete 1187, als die Stadt in die Hand von Saladin dem Kurden fiel. Während der osmanischen Periode (1517-1917) wurde Jerusalem von Konstantinopel aus regiert. Die britische Armee eroberte Jerusalem im Jahre 1917. Von 1922 bis 1948 war Jerusalem der Verwaltungssitz der britischen Behörden im Lande Israel (Palästina). 1948 wurde Israel gegründet und Jerusalem wurde wieder Hauptstadt eines souveränen jüdischen Staates. Die arabischen Länder, die sich der Gründung Israels widersetzten, leiteten einen Großangriff gegen den neuen Staat ein und lösten dadurch den Unabhängigkeitskrieg von 1948-1949 aus.
Von 1948 bis 1967 war Jerusalem infolge eines Krieges, mit dem es überzogen wurde, eine geteilte Stadt. Neunzehn Jahre lang trennten Betonmauern und Stacheldraht die beiden Stadtteile hermetisch voneinander. Der Ostteil wurde von Jordanien annektiert und von dessen Hauptstadt Amman aus regiert. Der Westsektor Jerusalems wurde Israels Hauptstadt. Nach einem weiteren Krieg wurde Jerusalem wiedervereinigt. Die Sperren wurden abgerissen, die Tore der Altstadt wurden für Menschen aller Religionen geöffnet, und der Ostsektor wurde wieder in die Hauptstadt des Staates integriert. Im Juli 1980 verabschiedete die Knesset (israelisches Parlament) das „Grundgesetz Jerusalem“, das Israels Rechte und Pflichten bezüglich der Hauptstadt erneut darlegte. Das Gesetz bekräftigte, daß die heiligen Stätten aller Religionen vor Entweihung geschützt werden, der freie Zugang zu ihnen garantiert wird, und daß die Regierung für die Entwicklung und das Gedeihen der Stadt und das Wohl ihrer Bewohner zu sorgen hat.
Jerusalem, eine Stadt mit ununterbrochener aufgezeichneter Geschichte von mehr als dreißig Jahrhunderten und von historischer Bedeutung für drei der Hauptreligionen der Welt, erwies sich als für Archäologen unwiderstehlich. In den letzten Jahren wurden viele Stätten restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einige von ihnen sind:
Ein römischer Torweg wurde unterhalb des im 16. Jahrhundert durch die Osmanen erbauten Damaskustors freigelegt. Der Torweg anscheinend der Haupteingang zu Kaiser Hadrians. Aelia Capitolina besteht aus einem Stadttor mit drei Öffnungen und führt zu Wachtürmen und einem Marktplatz.

Die Nea Kirche, durch den Kaiser von Byzanz, Justinian, im sechsten Jahrhundert erbaut, wurde freigelegt und restauriert. Das Erkennungszeichen der Kirche ist eine monumentale griechische Inschrift. Viele der bei diesen und anderen Ausgrabungen in und um Jerusalem gefundenen archäologischen Kostbarkeiten sind im Bronfman-Museum für Bibel und Archäologie und im Rockefeller-Museum ausgestellt. Beide Museen sind Teil des Israel-Museums. Die Altstadt von Jerusalem ist eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte in der Welt. Archäologen schätzen ihr Alter auf mehr als 4 500 Jahre. Die Mauern wurden von Suleiman dem Großen im 16. Jahrhundert gebaut und folgen in etwa dem Verlauf der Mauern, die die Römer im zweiten Jahrhundert um Jerusalem errichtet hatten. Heute liegen die Mauern in ihrer ganzen Höhe und Pracht frei. Acht Tore sind in die Stadtmauern eingebaut; sieben von ihnen sind offen, während eines verschlossen bleibt. Die vier Haupttore: Jaffator, Damaskustor, Löwentor und Zionstor, wurden nach den vier Himmelsrichtungen gebaut und führten zu den wichtigsten Städten des Landes.

Durch Religion und Überlieferung, durch Geschichte und Theologie, durch heilige Stätten und Stätten des Gebets geheiligt, ist Jerusalem eine Stadt, die von Juden, Christen und Moslems verehrt wird. In Jerusalem spiegeln sich der Glaube und die Frömmigkeit der drei großen Religionen wider, von denen jede mit Jerusalem durch Verehrung und Liebe verbunden ist.

Die jüdische Bindung zu Jerusalem war nie unterbrochen. Seit drei Jahrtausenden ist Jerusalem das Zentrum des jüdischen Glaubens und hat seinen Symbolwert von Generation zu Generation behalten. Für Christen ist Jerusalem der Ort, wo Jesus lebte und predigte, gestorben und auferstanden ist Die Orte, die das Neue Testament als die Stätten von Jesu Wirken und Leiden nennt, ziehen seit Jahrhunderten Pilger und Gläubige an. Zu diesen Stätten gehören die Grabeskirche, der Garten Gethsemane und die Via Dolorosa mit den vierzehn Stationen des Kreuzweges.

Laut der Lehre des Islam wurde der Prophet Mohammed durch ein Wunder von Mekka nach Jerusalem versetzt, von wo aus er zum Himmel hinaufstieg. Der Felsendom und die Al-Aksa Moschee („die Ferne“), beide im siebten Jahrhundert gebaut, setzten Jerusalem endgültig mit dem „fernen Ort“ gleich, von dem im Koran die Rede ist, und machten sie damit zu einem heiligen Ort nach Mekka und Medina.

Jerusalem dessen Name laut Überlieferung von den hebräischen Wörtern „Ir“, Stadt, und „Schalom“, Frieden, abgeleitet ist, verkörpert die Hoffnung, die im höchsten Ziel der Menschheit zum Ausdruck kommt: Frieden zwischen allen Menschen.

Wollen wir hoffen, dass dies bald eintritt. Um so länger dieser Konflikt dauert, um so mehr wird zerstört.Und davon profitiert keine der jeweiligen Religionen.
Diese Politik die dort gemacht wird, kann zu keinen versöhnlichen Ende führen. Trotzdem sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Menschen in Israel und Palästina irgendwann in Frieden leben können.

1) der Babylonische Talmud Traktit Kidduschin 49b
 

 
Mehr aus Nr. 53