Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 52 (März 2002)

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Das "Unkrautkreuz"

von Norman/YPR

Graskreuz

“Am Aschermittwoch ist alles vorbei”, so singen lustig-berauschte Leute immer zum Ende des Karnevals, denn mit dem so besungenen Tag beginnt die Passionszeit, manche sagen auch Fastenzeit. “Carne vale” kommt eigentlich aus dem lateinischen und heißt übersetzt: “Fleisch lebe wohl”, es soll darauf hindeuten, daß jetzt eine besondere Zeit im Jahr beginnt. Wir Christen erinnern uns in dieser Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern an die Leidenszeit Jesu. Passion bedeutet aber noch mehr, es steht auch für Leidenschaft, leidenschaftliche Hingabe, man sagt ja auch zum Beispiel “Malen ist Ihre Passion”.

Ab wann hat Jesus denn eigentlich in seinem Leben hier auf Erden gelitten? Beginnt es mit seinem Aufbruch nach Jerusalem, wo er ja schon genau weiß, was ihn erwartet und er es seinen Jüngern auch dreimal ankündigt:

“Hört zu! Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wir alles eintreffen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben. Er wird den Fremden übergeben, die Gott nicht kennen. Sie werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn beleidigen und anspucken. Sie werden ihn auspeitschen und töten, doch am dritten Tag wird er auferstehen.”

(Lukas 18, 31b-33).

Oder beginnt sein Leiden erst als er in Jerusalem eintrifft, woran der Palmsonntag eine Woche vor Ostern erinnert? Oder startet seine Passion, seine leidenschaftliche Hingabe (im wahrsten Sinne des Wortes) nicht schon mit seiner Geburt? Das ganze Leben Jesu läuft letztlich auf ein großes Ziel zu.

Viele meinen der Schlußpunkt ist Karfreitag: Kreuzigung und Tod. In gewisser Weise stimmt das ja auch. In einem Lied heißt es: “Seine Spuren auf der Erde enden an dem Kreuz”. Doch Gott sei Dank ist es dabei nicht geblieben. “Und traurig klingt der Schlußakkord in Moll”, trifft hier nicht zu. Denn es gibt ja noch, Eiersucherfahrene wissen es, das Osterfest. “Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!”- Das können wir uns voller Freude in der Osternachtfeier am frühen Ostermorgen zurufen. Unsere Freude ist berechtigt, denn wenn Jesus nicht auferstanden wäre, hätte er von einigen klugen Worten und ein paar bemerkenswerten Taten abgesehen, letztlich auch nicht mehr geschafft als wir: Geboren werden und streben. Gäbe es Ostern nicht, gäbe es nicht nur keine Ostereier, sondern auch keine Kirche, keine ApoJo. Insoweit müßten wir uns eigentlich an Ostern größere Geschenke machen, als an Weihnachten. Und doch: Krippe und Kreuz sind aus einem Holz. Beides gehört untrennbar zusammen, denn dazu kam Jesus an Weihnachten in die Welt, daß er schließlich für uns am Kreuz stirbt, damit unsere Rettung möglich macht und durch die Auferstehung an Ostern unsere Erlösung besiegelt. Wir dürfen auf das ewige Leben hoffen. Das gibt Trost – auch in Zeiten des Leidens.

Deshalb, und damit schließt sich der Kreis, habe ich dieses Bild, zur Betrachtung ausgewählt. Ich habe es vor ein paar Jahren an der Uni gefunden. Es war auf einem Plakat, das zu Passionsandachten einlud. “Auferstehen in Ruinen”, stand darüber. Es hat für mich doppelte symbolische Bedeutung. Zum einen bricht sich das “Unkrautkreuz” einen Weg durch die schweren Steinplatten. Trotz aller Schwierigkeiten und Lasten, die uns das Leben schwer machen, dürfen wir wissen, das am Ende das Kreuz steht, als Zeichen für den Sieg Jesu über den Tod. Zu anderen ist es ein leeres Kreuz. Es ist kein Kruzifix, an dem ein leidender Jesus hängt, und mich an die Leidenszeit erinnert. Es ist leer, Jesus ist nicht am Kreuz geblieben, Karfreitag war nicht das letzte Kapitel. ER ist auferstanden, ER ist wahrhaftig auferstanden.

 
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Rubrik Glauben