Youthpaper - die christliche Jugendzeitschrift

Ausgabe 50 (März 2001)

Jahreszeitlosigkeit

von Axel/YPR

Kalt ist es im Moment. Immer noch winterliche Temperaturen, ab und an besucht und auf noch Herr Schnee. Erkältungen machen ihre Runde, die Sonne kommt nur dann und wann mal hinter Wolken hervor.

Wann kommt der Frühling?

Wann kommen die Blumen endlich wirklich hervor, schlagen die Bäume wieder aus, wann wird der Himmel wieder blau?

Wann gibt es endlich neue Kraft und Energie für müde Seelen, bei denen Milch nicht mehr hilft?

Keine Frage, wenn wir’s nicht sogar schon verpasst haben, dann dauert es zumindest nicht mehr lange, bis die Erde uns hier wieder mal ihre Version von Frühling zeigt.

Aber wie sieht das mit uns aus?

Werden wir, wie die Pflanzen auch alljährlich von der „Natur“ in dieser Jahreszeit aufgepeppelt und sind nur Bestandteil dieses immer wiederkehrenden Kreislaufes?

Wär’ das nicht toll. Egal wie sehr einen das Leben, die Schule oder irgend etwas anderes runter ziehen würde, einfach bis zum Frühling warten und dann wird alles besser, jede Depression verschwindet.

Oder doch nicht? Was ist mit der Zeit dazwischen, wie lange muß dieser „Aktivierungsschub“ vorhalten? Muß man sich sicherlich sorgsam einteilen. Und was soll das ganze dann noch, kann man ja sowieso immer mit halber Kraft voraus durchs Leben gehen in der Hoffnung, daß man länger „durchhält“.

Nutzen wir also lieber den „Tag“ und das schöne Wetter und die frische Luft. Und wesentlich mehr sollten wir nicht vom Frühling erwarten, denn wenn wir nicht selber unsern Hintern bewegen, oder unsere Einstellung selber ändern, dann kann auch nicht mehrmals Frühling hintereinander etwas ändern.

Ach ja...Bibelseite.

Wie schaut es denn nun mit unserem Glauben aus? Ich möchte jetzt hier nicht die Gretchenfrage stellen, aber gibt es da auch so was wie den „Frühling“? Eine Zeit, wo wir uns besonders nahe bei Gott, besonders geborgen fühlen, viel Spaß am Glauben haben, wieder voran zu kommen und etwas neues zu verstehen.

Zumindest den „Winter“ im Glauben scheint es zu geben. Es kommen doch oft Momente, wo man einfach nicht weiterkommt, man nicht ganz sicher ist, was es noch bringt zum Gottesdienst zu gehen, zum Konfa oder zum Kreis. Gott ist gut und Gott hat mich lieb und Jesus ist für mich gestorben und ich kann mich immer in schweren Zeiten an Gott wenden.

Aber könnte man die Zeit, die man investiert nicht anders, oder sinnvoller nutzen?

Ich denke hier liegt der Knackpunkt. Der Glaube macht uns keine Vorschriften. Es läuft nicht so, daß wir drei mal am Tag beten müssen, Sonntag zum Gottesdienst und immer zum Jugendkreis, oder Hauskreis gehen und dann dürfen wir in den Himmel.

Es sind keine Pflichtübungen, es geht darum etwas zu investieren, Zeit sinnvoll zu nutzen.
die können auch nicht ohne...   Der Glaube ist nicht dazu da, daß wir dann später unser Anrecht auf einen Platz im Himmel bekommen, Gott will uns ganz und Gott will uns jetzt. Nicht als seine Untertanen, er will uns dienen. Gott möchte, uns Helfen, uns Sinn geben und uns Investitionen schon jetzt hundertfach zurückgeben. Das hat Jesus selbst versprochen: Schaut doch mal in Markus 10, 28-31 nach.

Letztendlich läuft das alles auf eine Sache hinaus: Der Glaube ist uns als etwas geschenkt worden, was wir in unserem gesamten Leben benutzen sollen, benutzen dürfen und benutzen können.

Damit wird eigentlich schnell klar, daß es unsinnig ist im Glauben so etwas wie „Frühling“ zu haben. Gott ist doch immer für uns da und nicht erst in einer bestimmten Jahreszeit, sondern dann wenn wir ihn brauchen, selbst wenn wir es selber nicht wissen oder merken.

Leider bauen wir uns aber dennoch eine Art „Frühlingsmentalität“ in unserem Glauben auf. Da wären zum Beispiel die Konfirmandenfreizeit, auf die man oft das ganze Jahr über hinlebt, eine besondere Veranstaltung, zum Beispiel ein gemeinsames Wochenende mit dem Kreis, oder nur von Sonntag zu Sonntag, von Gottesdienst zu Gottesdienst.

Aber dazwischen sieht es oft karg aus. Wo bleibt Gott da?

Jetzt haben wir mit Jesus die Brücke, mit der wir die Sünde überwinden können und zu Gott kommen können und über die Woche klappen wir sie wie eine Zugbrücke einfach hoch.

Und das ist auf die Dauer tödlich. Denn dann landet man irgendwann im Winter, schneit ein und denkt vor Kälte gar nicht mehr daran, wie warm es doch sein konnte.

Da hilft nur eines: In Verbindung bleiben, die Brücke nicht hochklappen, Gemeinschaft nicht nur auf Konfafahrt aufkomme lassen, sonder das ganze Jahr über darin leben. Beten, mit Gott reden. Gott hören, sein Wort lesen und Antworten finden.

Nicht weil wir es müssen. Weil wir etwas davon haben und Gott es uns gibt.

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Rubrik Glauben